Truth or consequences?

Gerüchteküche Fake News – eine Chance für Qualitätsjournalismus?

Soziale Medien als political player

Der Newsfeed auf Facebook wird schon seit Längerem mit argwöhnischen Blicken beobachtet. Schon vor einigen Jahren begann der Facebook-Algorithmus damit, die Nachrichten und Beiträge der gelikten Seiten und Freunde zu sortieren und zu filtern. Schon das passte vielen Usern und vor allem Kritikern von Facebook nicht. Denn diese Kalkulation führt dazu, dass kaum noch alternative Perspektiven und Meinungen auf der eigenen Pinnwand erscheinen. Je mehr man auf die geposteten Beiträge klickt und mit diesen interagiert, desto mehr wird der Newsfeed von Facebook spezifiziert und auf ähnliche Inhalte gelenkt. Jedoch bleibt nach wie vor umstritten, wie viel Einfluss diese 2011 vom Internetaktivisten Eli Pariser geprägte „Filterblase“ auf den einzelnen Bürger hat. Außerdem haben wir uns mittlerweile an die Filterblase gewöhnt und es gibt seit dem US-Wahlkampf des vergangenen Jahres ein neues Phänomen, das die Kritiker der sozialen Medien beschäftigt: Fake News.

Fake News: Konstruktiv oder destruktiv für den Journalismus?

Was einerseits amüsant sein kann auf satirischen Plattformen wie Der Postillon, wird bitterer Ernst, sobald man nicht mehr eindeutig zuordnen kann, ob die Nachricht wahr oder falsch ist. Spätestens seit Facebook im Januar diesen Jahres verkündet hat, gegen Fake News vorzugehen, ist das Wort in aller Munde. Laut Tagesschau plane Facebook, gegen einzelne Beiträge vorzugehen, sobald besonders viele Meldungen von Usern zu einer Neuigkeit eingehen. Tritt dieser Fall ein, wird die Nachricht an das deutsche gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv weitergeleitet und von diesem geprüft. Mit seinem Slogan „Recherchen für die Gesellschaft“ setzt sich die Plattform dafür ein,  „jedem Bürger Zugang zu Informationen [zu] geben.“ In Zeiten der Digitalisierung und damit auch der Digitalisierung von Neuigkeiten, wird die wortwörtliche Pressearbeit auf die Probe gestellt. Dank Twitter sind die Nachrichten auf 140 Zeichen komprimiert und Snapchat, Vine, Instagram und auch Facebook zeigen, wie erfolgreich visueller Content ist. Wo ist da überhaupt noch Platz für ernsthaften, gut recherchierten Journalismus?

Unabhängige Plattformen als Verteidiger der Wahrheit

Gerade Plattformen wie Correctiv werden in Zukunft stärker gebraucht werden. Wo es Fake News gibt, muss es auch Fact-Checker geben. Zwar ist es mühsam, die ständigen Falschmeldungen anzugehen, aber diese werden normalerweise nicht auf den Onlineplattformen der Mainstream-Medien verbreitet, sodass ein jeder Fake News-Leser die Möglichkeit hat, schnell nachzuprüfen wer und was hinter der Meldung steckt. Auf Seiten der – vor allem unabhängigen – Journalisten und Onlineredakteure ist es wichtig, die Neuigkeiten, die sich aufgrund ihres teilweise skandalösen Inhalts wie ein Lauffeuer verbreiten, schnellstmöglich und genau zu überprüfen. Denn eine der Prämissen, die dem Journalismus innewohnt, ist zu „schreiben, was ist“, wie Rudolf Augstein, Gründer des Magazins Der Spiegel so treffend formuliert hat.

Objektiver Journalismus adé?

Doch gerade Spiegel wird zurzeit dafür kritisiert, über die Stränge der Berichterstattung zu schlagen. International diskutiert wird das aktuelle Spiegel-Cover, wo ein unverkennbarer US-Präsident Trump soeben den Kopf der Freiheitsstatue mit einer Machete abgetrennt hat und den noch tropfenden Kopf mit einer aggressiven Gebärde in der Hand hält.

Somit werden verschiedene Interpretationsvorschläge angeboten und machen das Cover so zu einem aktuellen Beispiel für die künstlerische Umsetzung visueller „Alternative Facts“, wenn nicht sogar von Fake News. Die öffentliche, internationale Diskussion ist in diesem Kontext eine Chance, Journalismus neu zu überdenken und neue Bedingungen an ernsthaften Journalismus zu stellen.

Was denken Sie über Fake News? Sehen Sie in dieser Entwicklung eine Bedrohung? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

Von Jacqueline Althaller

Kommentare

  • BS

    In der Welt des Internet Wahrheit und Fiktion zu trennen fällt nicht erst seit dem zurzeit viralen Begriff „Fake News“ schwer. Unbestreitbar ist neue Dimension der Professionalität, die hinter dem Fabrizieren solch gezielter Falschmeldungen steckt. Hier werden geschickt Fakten und Fiktion gemischt und wirksam in Umlauf gebracht. Auf lange Zeit hin könnte hiermit die Glaubwürdigkeit der freien Presse unterminiert und die vierte Gewalt – das wichtigste Bindeglied zwischen Regierten und Regierenden – ins Wanken gebracht werden. Doch wie so oft birgt diese Gefahr auch Chancen, in diesem Fall für den Qualitätsjournalismus. Die etablierten Medien sind in dieser, im Internet gelebten Mixtur aus Unsicherheit und Schnelllebigkeit, in der Fake News gedeihen können, der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Der Qualitätsjournalismus hat sich mit seinen bekannten Anlaufstellen im Internet etabliert und dient vielen auch im digitalen Raum als Orientierung. Ihm muss es gelingen, seine Wichtigkeit und Qualität herauszustellen. Da diese Qualität mit zeitlichem Aufwand und Kosten einhergeht und somit grundsätzlich der Logik des Unmittelbaren und Kostenlosen, beides dem Internet mehr oder weniger inhärent, widerspricht, kein leichtes Vorhaben.

    • Tina Werner

      Mit dem Widerspruch von Kosten, Aufwand und der „Logik des Unmittelbaren und Kostenlosen“ treffen Sie meiner Meinung nach den Kern des Problems. Mich würde interessieren, ob Sie Lösungsansätze sehen, die beides vereinen – wer zahlt für den Aufwand eines gut recherchierten Artikels? Wenn der Leser zahlt, wird Qualitätsjournalismus zum Privileg für diejenigen, die ihn sich leisten können. Wenn der Staat zahlt, gerät dies mit der Unabhängigkeit von Journalismus in Konflikt. „Correctiv“ ist zwar ein Ansatz, und Falschmeldungen lassen sich korrigieren und von einzelnen Platformen löschen, doch bleibt einmal Gelesenes in den Köpfen hängen. Man denke nur an Verschwörungstheorien, die sich über Jahrzehnte halten, obwohl es keinerlei Beweise gibt. Der Ansatzpunkt müsste an einem früheren Glied in der Kette liegen – Bildung?