Papierlos am Arbeitsplatz

Rita macht Schluss mit Zettelwirtschaft im Büro

Seit fast 40 Jahren wird das „papierlose Büro“ ver- und besprochen. Aktuell spricht die Welt gerne von Rita: noch nicht gehört? Rita, das ist ein sprechendes, sprachgesteuertes Whiteboard. Doch wenn Rita bereits verfügbar ist, warum tut sich der Mensch so schwer von der Zettelwirtschaft loszulassen?

Die Beschäftigung mit Themen und Aufgaben ist eine Frage des Typs. Während der eine gerne Listen erstellt, die nach Erledigung abgehakt werden, möchte der andere seine Notizen aus Sicherheitsgründen lieber noch stehen lassen. Jeder Mitarbeiter hat seinen eigenen Umgang mit Technik entwickelt. Der eine greift gerne zum Hörer und sucht das direkte Gespräch, der andere bevorzugt schriftliche Kommunikation. Das papierlose Büro könnte für beide Typen funktionieren. Die Technik macht es möglich.

Sprachsteuerung ist aktuell die beste Verbindung aus beiden Welten. Sie erlaubt es, sich ganz auf den Inhalt einer Nachricht zu konzentrieren und gleichzeitig sicher zu stellen, dass die Texte anschließend in schriftlicher Form auch anderen Mitgliedern im Team zur Verfügung stehen und ggf. in Formblättern oder Datenbanken wiederzufinden sind.

…aber so einfach ist das nicht

Nicht nur im eigenen Team gibt es unterschiedliche Typen. Auch zwischen Unternehmen findet Kommunikation statt, bei der einzelne Menschen miteinander in Kontakt treten. Wir müssen uns also gut überlegen, wann und wie wir Rita, Alexa und Co. einsetzen wollen. Fühlt sich mein Ansprechpartner überhaupt wohl, wenn das Büro „mithört“ und alles aufzeichnet? Hinzu kommen Fragen wie: Was ist, wenn mein Sprachassistent sich „verhört“ oder ich mich verspreche? Wer haftet, wenn ein solcher „Verhörer“ meinem Unternehmen schadet und wie stelle ich sicher, dass vertrauliche Daten auch vertraulich bleiben? Schließlich gibt es auch rein rechtlich gesehen Dokumente, die in ausgedruckter Form vorliegen sollten – nicht ohne Grund ist das Faxgerät noch immer fester Bestandteil in Anwaltskanzleien.

Komplett wird sich Papier aus dem Büro daher wohl nie verabschieden. Trotzdem sind Sprachassistenten eine Ressource, mit der dem bürokratischen Apparat eines jeden Unternehmens effizient entgegen getreten werden kann. Wir müssen uns lediglich bewusst machen, in welchen Bereichen und für welche Aufgaben ein Smart-Office von Vorteil sein kann.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht im intelligenten Büro? Welche Vorteile oder Hürden seht ihr?

Von Jacqueline Althaller

Social Media im E-Commerce

Shoppen aus der Blase

Social Media sind erwachsen geworden. Jetzt können wir in ihnen auch Shoppen gehen. Wurden die sozialen Netzwerke zunächst nur als Werbeplattform genutzt, um Marken, Unternehmen oder Produkte zu vermarkten, so brauchen wir sie heute zum Einkaufen gar nicht mehr zu verlassen und haben sogar noch ein neues, digital erweitertes Einkaufserlebnis. Der Weg hierhin zeichnet sich seit einiger Zeit ab und lässt sich in vier Entwicklungsstufen beschreiben:

 

Die Entwicklung von Social Media im E-Commerce

    1. Werbe-Plattform für den Markenauftritt B2C-Marken haben es vorgemacht: Ein starker Social Media Auftritt macht Unternehmen bekannter und bringt Produkte verschiedensten Zielgruppen nahe. Ein Beispiel für den internationalen Erfolg einer Marke durch einen gelungenen Social Media Auftritt ist die schwedische Firma Fjällräven, die zwar auf Anzeigen verzichtete, aber dafür Social Media Plattformen nutze, um ihren Rucksack bekannt zu machen. Die Strategie verselbständigte sich rasch, da Kunden und Mitarbeiter des Unternehmens das Produkt fotografierten und teilten. Aber gerade auch für B2B-Unternehmen ist Social Media für den Markenaufbau wichtig – was Unternehmen wie Liebherr oder die „Heartbeat“ Kampagne von Leica anschaulich zeigen.
    2. Per Link zum Webshop Geht es um Produkte, liegt der nächste Schritt auf der Hand: Durch Links wird der Social Media Nutzer direkt zum Webshop oder Produktsheet geleitet. Besonders oft findet man dies auf Blogs oder in YouTube. Kommerzielle Züge nimmt dies an, wenn die Blogger oder YouTuber Produkte kostenlos zum Testen erhalten oder durch sogenannte Affiliate Links an den Umsätzen in den Webshops mitverdienen. Sich die Beliebtheit von Influencern zu Nutze zu machen, ist die moderne Weiterentwicklung des Word-of-Mouth und besonders im B2C Umfeld oft gesehen. Immer häufiger setzen auch B2B-Unternehmen auf Influencer. Contentmanager listet die Top B2B-Marketing Influencer: http://www.contentmanager.de/cms/contentpepper/was-sie-fuer-erfolgreiches-b2b-influencer-marketing-wissen-sollten/. Aber auch Micro-Influencer werden immer beliebter, denn gerade im B2B geht es nicht allein um die Bekanntheit, sondern darum ob der Influencer zum Unternehmen und Produkt passt.
    3. Einkauf direkt aus Social Media Posts Shop my Instagram oder buyable Pins bei Pinterest: In den vergangenen Jahren sind vor allem Instagram und Pinterest mehr und mehr in den E-Commerce Bereich vorgedrungen. So gibt es seit November 2016 den Shop Now-Button unter Instagram Bildern. Pinterest bietet seit 2015 ausgewählten Unternehmen in den USA die Möglichkeit, mit buyable Pins direkt innerhalb von Pinterest Produkte zu verkaufen. Außerdem werden bestimmte Produkte von Redakteuren ausgewählt und die neuesten Produkte gesammelt.
    4. Erweitertes Einkaufserlebnis In der nächsten Stufe kann der Einkäufer ebenfalls direkt aus dem Social Media Kanal einkaufen; aber es geht noch einen Schritt weiter: Der Social Media Shop schafft ein digitales Einkaufserlebnis durch Augmented Reality. Im Zuge der Einführung von Snapchats Spectacles in den USA können potenzielle Kunden die Brille nicht nur direkt auf Snapchat kaufen, sondern sie auch in verschiedenen Ausführungen „anprobieren“. Bislang noch ein Einzelfall, könnten solche Einkaufserlebnisse bald zur neuen Realität werden – sei es als digitale Garderobe im Fashion-Bereich oder als virtueller Handhabungstest für Produkte im B2B-Bereich.

 

Fazit:

Social Media im E-Commerce entwickeln sich zur Verkaufsplattform. Das bietet nicht nur Vorteile in der Bedienbarkeit und den Abbau von Hürden im Verkaufsweg, sondern hat auch einen weiteren Vorteil: War es für den Laien bislang schwierig werbliche Interessen bei Social Media Posts in Form von gesponserten Artikeln etc. zu erkennen, wird durch die direkte Verknüpfung der kommerzielle Charakter den Nutzern deutlich vorgeführt. Die Zukunft von Social Media im E-Commerce macht Snapchat vor: Augmented Reality, Social Media als digitale Garderobe – das hat nicht nur Unterhaltungscharakter und bietet sich bestens zum Teilen an. Es stiftet auch neuen Nutzen, den ich sonst nur durch die Anprobe im Geschäft habe.

 

Von Dr. Hans-Wilhelm Eckert

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Trends 2017 im E-Commerce

Das Handy im Einkaufswagen – Wie der E-Commerce den Handel verändert.

 

Eine Schlange an der Kasse? Ärgerlich. Warum nicht einfach selbst die Artikel scannen und mit dem Handy zahlen? Ikea hat es vorgemacht, inzwischen folgen zahlreiche Einzelhändler. Die erste Beschwerde über den Kassierer gibt es auch schon: ein Kunde eine Schweizer Handelskette beschwerte sich darüber, dass er gezwungen war, beim Kassierer zu zahlen, weil der Self-Checkout nicht zur Verfügung stand.

 

Unser Einkaufsverhalten ändert sich. Online und Offline Kanäle verschmelzen immer mehr. Wie sehr, das wird auch auf den gerade zu Ende gegangenen Messen EuroShop und Internet World deutlich. Auch wenn beide unterschiedliche Schwerpunkte haben – den Fokus auf den Point of Sale (POS) bzw. E-Commerce  –  so ähneln sich doch die Themen: die Nutzer möglichst nahtlos durch alle Kanäle zu begleiten und ihnen auf ihrer Reise das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten. Das Schlagwort Omnichannel ist zwar häufig zu vernehmen, aber in vielen Fällen doch eher ein großer Anspruch als schon gelebte Realität.

 

Häufig ist es so, dass stationärer Handel und E-Commerce Shop zwei voneinander getrennte Silos sind. Informationen über Waren und Kunden werden getrennt behandelt, Synergien zwischen beiden Kanälen entstehen nicht.

 

Doch die Ansprüche der Kunden wachsen. Der Online-Handel hat das Verhalten der Kunden grundlegend verändert und prägt auch deren Vorgehen im stationären Handel. So halten Kunden beim Shopping parallel online Ausschau nach dem gewünschten Produkt, um weitere Informationen, Bewertungen und Preise zu recherchieren. Sie begutachten Produkte vor Ort und kaufen online, sie recherchieren online und holen ihr Produkt in einer Filiale ab.

 

Inzwischen haben einige Handelsketten haben die Herausforderung angenommen und bringen die beiden Silos – E-Commerce und Filialhandel – zusammen. So versendet mancher Einzelhändler das online bestellte Produkt aus der Filiale heraus. Das stärkt die Kundenbindung und wertet den Einzelhandel auf. Es erfordert allerdings auch, dass beide Kanäle komplett miteinander vernetzt sind und sowohl Informationen über die Waren als auch über die Kunden in einem System vorliegen.

 

Die Customer Journey wird immer mehr zum verschlungenen Pfad mit vielen Verzweigungen, Abkürzungen, Umwegen. Kunden wünschen sich von jedem Verkaufskanal denselben Service, Preis und Qualität. Für Händler ist dies immer komplexer zu bespielen. Das Kundenverhalten macht es erforderlich, dass Händler möglichst alle Wege souverän miteinander verbinden. Eine große Herausforderung, wenn man sich mit den dahinterliegenden Prozessen beschäftigt. Wer seinen Kunden in Echtzeit sagen will, welches Produkt in welcher Filiale oder Online verfügbar ist, benötigt eine durchgehende Warenlogistik. Und – wichtiger noch – lückenlose Informationen über seine Kunden.

 

Ein komplexes Unterfangen, erfordert es doch eine durchgängige Omnichannel Strategie und einheitliche Systemarchitektur, in der Informationen über Waren und Kunden ganzheitlich betrachtet werden. Nur wenn der Händler weiß, wie sich sein Kunde zwischen POS und Online Kanälen bewegt, kann er wertvolle Informationen sammeln, analysieren, mit Marktdaten oder Wettervorhersagen kombinieren und daraus individuell zugeschnittene Angebote entwickeln. Und in seiner Warenwirtschaft entsprechende Vorkehrungen für die zu erwartende Nachfrage treffen.

 

Trends 2017: Das ist wichtig für erfolgreichen Retail

 

Selbst ist der Kunde: Produktinformationen sind ein wichtiger Beitrag für die Kaufentscheidung eines Konsumenten im stationären Geschäft. Bei der Suche nach solchen Informationen vertrauen Kunden zunehmend auf ihr Smartphone. Sämtliche SelfService-Funktionen am POS gewinnen zunehmend an Bedeutung: SelfScan, SelfPay oder auch SelfCheckout geben App-Nutzern die Möglichkeit, ihre Einkäufe mühelos und komplett eigenständig von A bis Z abzuwickeln.

 

Alle Kanäle aus einer Hand: für eine nahtlose Customer Journey braucht es vernetzte Informationen von Online und POS über Waren und Kunden. Dies schließt auch den Zahlungsverkehr ein. Nur wenn der Händler die Zahlungsinformationen aus beiden Welten zusammenbringt, kann er Omnichannel-Strategien umsetzen und Kundeninformationen aus sämtlichen Kanälen zusammenführen und nutzen.

 

Sichere Daten: Angesichts des massenhaften Diebstahls von Kreditkartendaten wird auch das Thema Datensicherheit wird immer wichtiger und Bedingung für die Akzeptanz neuer Technologien. Eine hochsichere Verschlüsselung vom Anfang bis zum Ende der Datenkette (sogenannte Point-to-Point Encryption oder P2PE) macht den Datendiebstahl nahezu unmöglich, da die Daten gar nicht mehr in den Handelssystemen gespeichert werden müssen.

 

Was denken Sie über die Verschmelzung von E-Commerce und POS? Wie sehen Sie diese Entwicklung? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

 

Von Jacqueline Althaller

Social Media Profiling

Vom Marketing Tool zur Terror-Abwehr – die beeindruckende Karriere des Social Media Profiling

In seinen Anfängen wurde Social Media Profiling von Marketern genutzt, um herauszufinden wo sich ihre Zielgruppe auf der Customer Journey befindet, wo sie sich informiert, welche Communities sie nutzt etc., um sie damit noch genauer anzusprechen. Unter dem Begriff Predictive Profiling haben Daten-Profis dann Ansätze entwickelt, um künftige Verhaltensweisen oder Entwicklungen vorherzusagen. Dazu zählen etwa Wahrscheinlichkeiten von Zahlungsausfällen, Krankheiten oder Unfällen – Dinge die Banken, Krankenkassen und Versicherer sehr interessieren und von denen sie den Zugang zu ihren Leistungen abhängig machen können. In den vergangenen Wahlkämpfen hat das Instrument angeblich schon Mehrheiten mobilisiert.

Social Media Profiling – der nächste Karriereschritt

Und nun steht dem Instrument ein weiterer Karriereschritt bevor: Es soll den USA helfen, Terroristen bei der Einreise zu identifizieren. Dazu sollen bei Grenzkontrollen vermehrt Smartphones konfisziert und durchgeschaut werden. Die Beamten verschaffen sich Zugriff auf Adressbücher und Facebook- oder Twitter-Kanäle. Sie überprüfen, wie sich Personen in sozialen Netzwerken zu bestimmten Themen äußern und machen davon die Einreise abhängig. Ob das so wirksam ist, sei dahingestellt. Wer sich wirklich mit Terror-Gedanken trägt, wird das nicht unbedingt auf seinem Smartphone dokumentieren.

Aber die heftigen Reaktionen, die dieses Vorgehen nach sich zieht, machen deutlich, dass hier noch etwas anderes im Spiel ist. So unmittelbar erleben wir ja das Eindringen in unsere Privatsphäre sonst nicht. Das Smartphone ist für viele von uns längst zur Erweiterung unseres Selbst geworden oder wie es die Süddeutsche Zeitung nennt: eine Psychoprothese. Und deshalb sind Eingriffe in unser Smartphone so persönlich und schmerzhaft. Unmittelbar wird uns vor Augen geführt, wie ein Fremder tief ins eigene Leben hineinblickt. Die Geste der Unterwerfung ist hier direkt spürbar.

Social Media Profiling – Chance zur Sensibilisierung?

Solange es nur Algorithmen sind, bleibt das ganze Sammeln, Fusionieren und Analysieren der Daten abstrakt. Aber sobald ein Fremder direkt in den Spiegel unseres Privatlebens blickt, ist das etwas Anderes. Vielleicht ist es hilfreich, sich diese Situation öfter vorzustellen, um beim Umgang mit den eigenen Daten in digitalen Kanälen zu entscheiden, welche Spuren ich im Netz hinterlassen möchte.

Von Dr. Hans-Wilhelm Eckert

Truth or consequences?

Gerüchteküche Fake News – eine Chance für Qualitätsjournalismus?

Soziale Medien als political player

Der Newsfeed auf Facebook wird schon seit Längerem mit argwöhnischen Blicken beobachtet. Schon vor einigen Jahren begann der Facebook-Algorithmus damit, die Nachrichten und Beiträge der gelikten Seiten und Freunde zu sortieren und zu filtern. Schon das passte vielen Usern und vor allem Kritikern von Facebook nicht. Denn diese Kalkulation führt dazu, dass kaum noch alternative Perspektiven und Meinungen auf der eigenen Pinnwand erscheinen. Je mehr man auf die geposteten Beiträge klickt und mit diesen interagiert, desto mehr wird der Newsfeed von Facebook spezifiziert und auf ähnliche Inhalte gelenkt. Jedoch bleibt nach wie vor umstritten, wie viel Einfluss diese 2011 vom Internetaktivisten Eli Pariser geprägte „Filterblase“ auf den einzelnen Bürger hat. Außerdem haben wir uns mittlerweile an die Filterblase gewöhnt und es gibt seit dem US-Wahlkampf des vergangenen Jahres ein neues Phänomen, das die Kritiker der sozialen Medien beschäftigt: Fake News.

Fake News: Konstruktiv oder destruktiv für den Journalismus?

Was einerseits amüsant sein kann auf satirischen Plattformen wie Der Postillon, wird bitterer Ernst, sobald man nicht mehr eindeutig zuordnen kann, ob die Nachricht wahr oder falsch ist. Spätestens seit Facebook im Januar diesen Jahres verkündet hat, gegen Fake News vorzugehen, ist das Wort in aller Munde. Laut Tagesschau plane Facebook, gegen einzelne Beiträge vorzugehen, sobald besonders viele Meldungen von Usern zu einer Neuigkeit eingehen. Tritt dieser Fall ein, wird die Nachricht an das deutsche gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv weitergeleitet und von diesem geprüft. Mit seinem Slogan „Recherchen für die Gesellschaft“ setzt sich die Plattform dafür ein,  „jedem Bürger Zugang zu Informationen [zu] geben.“ In Zeiten der Digitalisierung und damit auch der Digitalisierung von Neuigkeiten, wird die wortwörtliche Pressearbeit auf die Probe gestellt. Dank Twitter sind die Nachrichten auf 140 Zeichen komprimiert und Snapchat, Vine, Instagram und auch Facebook zeigen, wie erfolgreich visueller Content ist. Wo ist da überhaupt noch Platz für ernsthaften, gut recherchierten Journalismus?

Unabhängige Plattformen als Verteidiger der Wahrheit

Gerade Plattformen wie Correctiv werden in Zukunft stärker gebraucht werden. Wo es Fake News gibt, muss es auch Fact-Checker geben. Zwar ist es mühsam, die ständigen Falschmeldungen anzugehen, aber diese werden normalerweise nicht auf den Onlineplattformen der Mainstream-Medien verbreitet, sodass ein jeder Fake News-Leser die Möglichkeit hat, schnell nachzuprüfen wer und was hinter der Meldung steckt. Auf Seiten der – vor allem unabhängigen – Journalisten und Onlineredakteure ist es wichtig, die Neuigkeiten, die sich aufgrund ihres teilweise skandalösen Inhalts wie ein Lauffeuer verbreiten, schnellstmöglich und genau zu überprüfen. Denn eine der Prämissen, die dem Journalismus innewohnt, ist zu „schreiben, was ist“, wie Rudolf Augstein, Gründer des Magazins Der Spiegel so treffend formuliert hat.

Objektiver Journalismus adé?

Doch gerade Spiegel wird zurzeit dafür kritisiert, über die Stränge der Berichterstattung zu schlagen. International diskutiert wird das aktuelle Spiegel-Cover, wo ein unverkennbarer US-Präsident Trump soeben den Kopf der Freiheitsstatue mit einer Machete abgetrennt hat und den noch tropfenden Kopf mit einer aggressiven Gebärde in der Hand hält.

Somit werden verschiedene Interpretationsvorschläge angeboten und machen das Cover so zu einem aktuellen Beispiel für die künstlerische Umsetzung visueller „Alternative Facts“, wenn nicht sogar von Fake News. Die öffentliche, internationale Diskussion ist in diesem Kontext eine Chance, Journalismus neu zu überdenken und neue Bedingungen an ernsthaften Journalismus zu stellen.

Was denken Sie über Fake News? Sehen Sie in dieser Entwicklung eine Bedrohung? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

Von Jacqueline Althaller

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Twitterpräsident Trump: Folgst du noch oder ver-folgst du schon?

Seit seiner Vereidigung als US-Präsident bedient Donald J. Trump zwei Twitterkanäle: Seinen „eigenen“, @realDonaldTrump und den offiziellen Kanal des @POTUS (President of the United States). Der private Account schlägt zwar mit mittlerweile 22,1 Millionen Followern, Tendenz steigend, den offiziellen Kanal des ehemaligen Präsidenten Barack Obama, der 14,6 Millionen Anhänger auf Twitter hat. Obama wiederum hat, obwohl er seit der Vereidigung Trumps nicht mehr aktiv ist, 300.000 Anhänger mehr als der offizielle Trump-Kanal.

Quantität vs. Qualität

Follower-Zahlen geben vor, etwas über Relevanz auszusagen. Das scheint auch Trump besonders wichtig zu sein, wie das Beispiel seiner Vereidigung zeigt. Er rühmte sich damit, das größere Publikum im Vergleich zu Obamas Vereidigung im Jahr 2009 gehabt zu haben, auch wenn Gegenüberstellungen von Luftaufnahmen etwas anderes nahelegen. Einem Spiegel-Artikel zufolge ist dieses „Truth-Bending“ Folge starker narzisstischer Züge, die Trump aufweist. Seine übertriebene Darstellung, dass er die Menschenmenge seiner Vereidigungszeremonie auf mindestens eine Million schätze, erklärt der Spiegel mit einem Zitat aus dem Deutschen Ärzteblatt: „Die Betroffenen haben ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit, sie verlangen nach übermäßiger Bewunderung, sie idealisieren sich selbst und sind stark von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz oder Schönheit eingenommen.“

Was steckt aber hinter Trumps 22,1 Millionen? Es ist bekannt, dass nicht nur „echte“ Menschen hinter dieser Zahl stehen, sondern auch sogenannte Bots und Spam-Accounts. Hinter den Bots (die abgekürzte Version für „Robots“) verstecken sich Programme, die beispielsweise auf Twitter darauf programmiert sind, bestimmten Accounts zu folgen und deren Tweets wiederzugeben. Dies machen sich Politiker wie Trump zunutze und verbreiten damit gezielt Nachrichten an andere Twitter-User. Spam-Accounts folgen vielen Accounts, weisen aber selbst keine weitere Aktivität auf Twitter auf. Welche solcher Accounts „echt“ und welche programmiert sind, ist nicht eindeutig festzustellen. Jedoch ist die Zahl der in Amerika lebenden Trump-Follower, die somit als „brauchbare“ Follower gewertet werden können, überraschend klein. Laut Forbes Magazin, das sich auf eine Studie der Plattform Affinio bezieht, sind dies nur ca. drei Millionen Twitter-Follower. Von diesen posten nur 13% öfter als 15-mal im Monat einen Tweet und sind somit als aktive Follower einzustufen. 11% dieser drei Millionen sind aufgrund der verwendeten Hashtags als politisch einzuordnen. Das Wichtigste jedoch: Sie scheinen keine Trump-Anhänger zu sein, da die drei meistgefolgten Accounts von diesen wiederum Barack Obama, Hillary Clinton und Bernie Sanders sind. Diese User „folgen“ also Trump nicht im engeren Sinne, sondern „ver-folgen“ schlichtweg seine Aktivitäten.

Warum Trump folgen?

Viele Twitter-User scheuen aus einem einfachen Grund davor, Trump zu folgen: Sie möchten schlichtweg nicht als Sympathisanten Trumps verstanden werden. Doch damit verpassen sie die Chance, ungefilterten Zugang zum Präsidenten der mächtigsten Nation der Welt zu haben. Egal ob „Gegner“ oder „Anhänger“ – hier bietet sich die Möglichkeit, sich aus erster Hand über die Person zu informieren, mit der wir es für die nächsten vier Jahre zu tun haben, anstatt auf bereits vorgefertigte Meinungen zu vertrauen. Trumps Twitteraccount ist dank der Schnelligkeit des Mediums und der regen Aktivität des Präsidenten eine Chance für jeden, sich darüber zu informieren, was Trump durch den Kopf geht. Wer um seine Onlinereputation fürchtet, kann durch Retweets Position beziehen.

Und wie halten Sie es mit dem Folgen? Folgen Sie nur Menschen, mit deren Positionen sie sympathisieren, oder auch Vertretern anderer Meinungen?

 

Von Dr. Hans-Wilhelm Eckert

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Visual Content ist 2017 unverzichtbar

Visual Content is King

Das neue Jahr ist erst ein paar Tage alt, doch die Trends für das neue Jahr 2017 zeichnen sich schon jetzt ab. Unser letzter Blog-Beitrag hat bereits einen Ausblick zu diesem Thema gegeben – heute greifen wir die erste Prognose hieraus auf: Video-Content.

 

Visuelle Inhalte sind ganz weit vorne

Durch die Fülle an Informationen im Internet sind die User anspruchsvoller und bequemer geworden. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist bereits deutlich gesunken. Sie wollen sich auch nicht minutenlang durchklicken, um zu einem gewünschten Inhalt zu gelangen, sondern diesen unmittelbar und direkt vor ihren Augen sehen. Bilder, Animationen oder kurze Videos (nicht länger als 30 Sekunden) stehen hoch im Kurs, denn: Unser Gehirn kann visuelle Inhalte besser verarbeiten als Textinhalte. Außerdem zeigt sich, dass Visual Content die Interaktion in Social Media deutlich stärkt und dadurch eine wesentlich höhere Reichweite erzielt. Das Ergebnis ist ein zufriedener User, der alle Informationen gleich auf einen Blick und komprimiert vorfindet sowie ein glücklicher Content-Marketer, der seine Ziele erreicht und den Erfolg seiner Content Marketing Strategie ausbauen kann.

 

Der Einsatz von Visual Content steigt 2017 erheblich

Glaubt man einer Studie des Infografik-Tools Venngage, haben Content-Marketers diesen Trend bereits für sich erkannt und Visuals fest für ihre Content-Strategie eingeplant. Wir haben die Umfrage genauer unter die Lupe genommen und stellen nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse vor:

 

  • Anteil an Visual Content: 53% der Befragten gaben 2016 an, dass sie bei 91-100% des publizierten Content visuelle Inhalte (GIFs, Infografiken, Fotos, Videos) einsetzen; dies entspricht einer Steigerung von 130% zwischen 2015 und 2016
  • Interaktionsrate durch Visual Content: 5% der Content Marketers sehen Infografiken führend, wenn es um die Steigerung der Interaktionsrate geht, während 25.7% ähnliche Erfahrungen mit Daten-Tabellen gemacht haben. Videos und Präsentationen (PowerPoint, Slideshare) waren für 20.2% der Umfrageteilnehmer die Interaktionstreiber.
  • Visual Content und Marketing Strategie: 8% sehen visuelle Inhalte als unverzichtbaren, integralen Bestandteil der übergeordneten Marketing-Strategie, weitere 31.7% stufen sie als „sehr wichtig“ ein.

 

Werbung mit Instagram Stories

Passend dazu hat Instagram nun „Anzeigen in Stories“ (Instagram Stories) eingeführt. Konkret bedeutet das, dass Advertiser nun Anzeigen zwischen zwei Stories von Nutzern schalten können. Zudem kann man die Form der Werbung selbst bestimmen, z.B. als Foto oder Video. Somit werden den Advertisern die gleichen Möglichkeiten geboten wie den Stories-Nutzern, die seit August 2016 mithilfe der Funktion „Stories“ Fotos und Videos für eine Slideshow zusammenstellen können.

 

Last but not least: Engagement first!

Abschließend sei noch kurz darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Visual Content und die vielfältigen Möglichkeiten, die sich für Marketer und Advertiser ergeben, zu einem noch größeren Erfolg führen, wenn das Augenmerk auch auf der Steigerung der eigenen Interaktion mit der jeweiligen Zielgruppe liegt. Social Networking von Unternehmensseite ist etwas, das User noch mehr an eine Brand/Marke bindet, da sie sich individuell und persönlich angesprochen und behandelt fühlen.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Visual Content in Ihrem Unternehmen gemacht und wo wird dieser eingesetzt? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Anregungen!

 

 

Von Jacqueline Althaller

 

Die fünf wichtigsten Trends im Digital Marketing für 2017

Das Jahr 2016 hat uns unter anderem den Aufstieg neuer Plattformen wie Snapchat, die Social Bots auf gängigen Sozialen Netzwerken und erste Erfahrungswerte im Bereich der Marketing-Automatisierung beschert. Doch was wartet im nächsten Jahr auf uns? Fünf Trends, denen sich Marketers und Agentur aus unserer Sicht nicht werden entziehen können:

  1. Video, Video, Video

Das Content-Füllhorn des Internet hat den Nutzer zunehmend träge und wählerisch werden lassen. Da mitunter schon ein Click zu viel der Mühe sein kann, hat insbesondere ein Format hohes Potential nach oben: Video-Content, idealerweise mit Untertitel, der sich in 30-sekündigen Clips auf der Timeline des Users (bei Facebook oder Twitter) automatisch abspielt. Der User muss nichts mehr tun, um ihn zu konsumieren – allein, die Maus loslassen. Dies beschert ihm 2017 tolle Reichweiten.

  1. Engagement First!

Die Zeiten, in denen ein einseitiges Sender-Empfänger-Modell in der Kommunikation herrscht, sind endgültig vorbei. Im Social Net wollen Zielgruppen individuell angesprochen werden. Oft geht es zunächst nur darum, eine Beziehung zwischen Unternehmen und Influencer aufzubauen. Wer sich die Zeit nimmt, auch als Unternehmen einfach mal ein „Like“ oder einen Kommentar auf einer Zielseite dazulassen, wird später auch mit seinem Content in 2017 wesentlich erfolgreicher sein.

  1. Von Public Relations zu People Relations

Die Individualisierung der Kommunikation nimmt in beide Richtungen zu. Es gibt nicht mehr einzelne Gatekeeper, die für ganze Auditorien Inhalte filtern und auswählen. Somit verlagert sich die Unternehmenskommunikation auf wesentlich mehr Ansprechpartner – was Herausforderungen birgt, aber auch Chancen!

  1. B2B is the key

Die Customer Journey hat sich im Zuge der neuen Medien auch für Entscheider erheblich verändert. Zwar spielt die analoge Welt mit ihren persönlichen Kontakten immer noch eine große Rolle. Aber B2B-Kunden, seit jeher ohnehin Prosumenten, erwarten bessere, überzeugendere, zielgenauere und individuellere Inhalte und Verkaufsargumente. Dies führt dazu, dass auch der ROI in Marketingausgaben bei B2B-Anbietern eine größere Rolle spielt. Die Grenzen zwischen Marketing und Vertrieb sind deshalb im Jahr 2017 zunehmend fließend.

  1. Social Discovery

Zuguterletzt werden Social-Discovery-Technologien wie beispielsweise die Software von RebelMouse für Marketers und Agenturen zu einem unverzichtbaren Werkzeug. Sie erlauben es, die richtigen Influencer und Stakeholder für den jeweiligen Content unter den unzähligen digitalen Communities herauszufiltern. Damit beschleunigt sich die Time to Market erheblich, ebenso wie die organische (und damit kostenlose!) Reichweite.

von Felix Schönherr, Sugar & Spice Communications

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Ein Blick durch die Filterblase

Eine neue Filterblase oder alte Luft in neuen Hüllen?

Der Wahlsieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl hat dem Thema Filterblase  eine neue Aktualität verliehen. Das Phänomen hat der US-Amerikaner Eli Pariser im Jahr 2011 erstmals beschrieben und vor der Gefahr gewarnt, die Algorithmen im Zusammenhang mit Personalisierung für den politischen Meinungsbildungsprozess darstellen. Verstärkt wird das Phänomen jedoch im Jahr 2016 durch Social Bots, die durch gezieltes Sharing und Retweets auf Facebook und Twitter dazu beitragen, die Online-Debatten gezielt in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Nun stellt sich die Frage: Wie entsteht die eigene Filterblase und wie kann man sich vor ihr schützen?

 

So entsteht die eigene Filterblase

Das Entstehen der eigenen Filterblase basiert auf dem Prinzip, das Nutzer nur solche Informationen angezeigt bekommen, die dem eigenen Weltbild und den eigenen Meinungen entsprechen. Mehr noch als das natürliche soziale Umfeld filtern Algorithmen abweichende Meinungen aus dem Newsfeed heraus und verstärken hingegen die als positiv erachteten Meinungen. Dabei spielen sowohl eigene Interessen als auch die Interessen der Freunde eine Rolle. Betrachtet man den Newsfeed auf Facebook genauer und über mehrere Tage hinweg, stellt man fest, dass der entscheidende Faktor bei den Inhalten der Pages, die man geliked hat, liegt. Konkret heißt das, dass alles, was diese Pages an Inhalten posten, verstärkt im eigenen News Feed auftaucht. Zudem hängt der Umfang der angezeigten Inhalte von der eigenen Interaktionsrate mit diesen Pages ab: Je öfter ich solche Inhalte like oder teile, desto mehr Inhalte dieser Seite bekomme ich angezeigt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Interagiere ich immer nur zum Beispiel mit einer News-Seite, werden mir im Laufe der Zeit auch nur noch Inhalte dieser News-Seite angezeigt.

 

 

So bringt man die Filterblase zum Platzen

Um einer einseitigen – wenn auch unbewussten – Informationsbeschaffung zu entkommen, gibt es einige hilfreiche Tipps und Tricks, die man anwenden und befolgen kann, um stets den Weitblick zu behalten und den eigenen Horizont zu erweitern. Dabei führt der erste Schritt zu den Privatsphäre-Einstellungen von Facebook: Hier sollte man alle gespeicherten Interessen und Aktivitäten löschen, da diese die Anzeige von Werbung und die Inhalte des Newsfeeds beeinflussen. Im nächsten Schritt geht es um Abonnements von (Freunde-) Seiten: Hier lautet die goldene Regel: Je mehr Abonnements, desto vielfältiger und diversifizierter der Meinungs-Pool. Last but not least: Mehr liken, zum Beispiel Pages von unterschiedlichen politischen Parteien, da sich so viele, einzelne und neue Netzrealitäten erschließen lassen, die zu einer Ausgewogenheit der angezeigten Inhalte beitragen. Folgende Maßnahmen verhindern ebenfalls das Entstehen einer Filterblase – vorausgesetzt sie werden konsequent genutzt:

 

So kann man sich gegen die Filterblase wappnen:

  1. Nutze alternative Suchmaschinen, z.b. Duckduckgo oder Cliqz
  2. Finde neutrale Informationen mithilfe der Metasuchmaschine Unbubble
  3. Schränke das Tracking ein mit diversen Add-ons, z.B. Ghostery
  4. Erweitere die Perspektive mit der Website newstral.com, die alle Schlagzeilen des Tages aus sämtlichen Medien und der Blogosphäre übersichtlich zusammenstellt.

 

Politische Meinungsbildung: Social Bots und die Filterblase

In der politischen Meinungsbildung mischen Social Bots aktiv in den sozialen Netzwerken mit, wie eine aktuelle Twitteranalyse der Rede von Angela Merkel beim CDU Bundesparteitag zeigt. Ihr Ausmaß ist aber längst nicht so groß ist, wie immer angenommen wird. Konkret bedeutet das für die Entstehung der Filterblase: Entdeckt man bestimmte Accounts immer wieder in bestimmten Online Debatten (Faustregel: Accounts mit ca. 50 oder mehr Tweets und/ oder Freunden am Tag), handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Fake Accounts. Bei der genannten Analyse von insgesamt 1.407 Tweets konnten lediglich 125 Tweets, d.h. 8,9%, auf das Konto von Social Bots verbucht werden. Social Bots spielen also zumindest hierzulande (noch) eine untergeordnete Rolle, wenn es um Politik in den sozialen Netzwerken geht.

Worum es vielmehr gehen sollte in der aktuellen Debatte ist die Schärfung des eigenen Bewusstseins und den Einsatz des eigenen menschlichen Verstands, da die Existenz unterschiedlicher Netzrealitäten genauso alt ist wie die Existenz unterschiedlicher Stammtische – eben nur in digitaler Form.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Filterblase und Social Bots gemacht? Glauben Sie, dass beide im bevorstehenden Bundestagswahlkampf 2017 eine relevante Rolle spielen werden? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Einschätzungen zu diesem Thema!

 

Von Dr. Hans-Wilhelm Eckert

Texten wie Profis

„Die (klassischen) Medien sind tot!“ Seit langem sind sich Pessimisten über das Ende des Journalismus einig. Allen Unkenrufen zum Trotz wird das redaktionelle Handwerk aber nach wie vor gefragt sein: Denn in Zeiten des Content-Marketing werden Unternehmen selbst zum Publisher und PR-Abteilungen zu Redaktionen.

Wir finden: Mehr als ein guter Grund für Kommunikatoren, sich einen soliden journalistischen Schreibstil anzueignen. Denn auch die Glossen, Kurzmeldungen oder Reportagen in der hauseigenen Publikation wollen ihre Leser finden. Hier kommen die wichtigsten Regeln fürs Texten redaktioneller Beiträge:

  1. Kurze Sätze: Um gleich zu Beginn ein häufiges Missverständnis auszuräumen – Satzlänge bzw. -struktur ist nicht gleich inhaltliche Komplexität. Im Gegenteil, denn je verzweigter der Sachverhalt, desto schnörkelloser sollten Autoren seine Formulierung wählen. Redaktionelle Artikel haben daher eine maximale Satzlänge von zehn bis dreizehn Wörtern. Auch Schachtelsätze gehören nicht in einen guten Text; wenngleich ein Nebensatz, der hier wie dort auftaucht, für stilistische Abwechslung sorgt.
  1. Das Aktiv formuliert, das Passiv wird gemieden: Da Passivkonstruktionen einen Text unnötig verschachteln und in die Länge ziehen, gehören sie aus dem Formulierungsschatz gestrichen. Das gleiche gilt für schwache Verben wie das häufig verwendete „können“. Aktive Formulierungen hingegen treiben den Text voran und verleihen ihm Frische.
  1. Von den Adjektiven nur die relevanten: Oftmals sind Adjektive für den Textsinn nicht relevant. So beispielsweise, wenn sie werblich („das großartige TV-Gerät“), redundant („die innovative Neuerung“) oder literarisch („die buntscheckige Kuchenglasur“) sind. In diesem Fall hat der Autor sie, ohne zu zögern, zu streichen. Auch sonst ist jedes Adjektiv genau zu hinterfragen: Der Legende nach wies der französische Zeitungsverleger Georges Clemenceau seine Redakteure an, jedes Mal zu ihm in den dritten Stock zu kommen und um Erlaubnis zu fragen, bevor sie ein Adjektiv niederschreiben. Ein kluges Verfahren, das nicht zuletzt der Fitness dient!
  1. Wer substantiviert, verliert: Eine speziell deutsche Stilkrankheit ist der Hang zur Substantivierung. Einst aus den Untiefen der Kanzleien und Amtsstuben geboren, spukt dieser böse Geist auch heute noch im Blätterwald umher. Doch leicht ist er gebannt: Jede Substantivierung lässt sich einfach auf ein Verb zurückführen, welches – im Aktiv formuliert – besser klingt.

Mit diesen einfachen Regeln ist dafür gesorgt, dass der Content zugänglich, flüssig lesbar und ansprechend ist. Garantiert!